Ich habe den Artikel "Streit um Schüsse auf ausgesetzte Enten" über eine archaische "Tradition" mit Trauer und Wut gelesen, aber auch mit hohem Respekt vor Josef Helfer. Ein ehemaliger Jäger, der doch noch erkannt hat, was heute den Wildtieren angetan wird. Teilweise bis zur Existenzgrenze werden sie ausgerottet, meist sogar mit Unterstützung und Genehmigung beziehungsweise Beauftragung durch die Behörden. Er beschreibt, was viele Tier- und Naturliebhaber und Menschen mit einer Empathie für Lebewesen empfinden, wenn sie so etwas lesen oder sogar selbst erleben müssen.

Maximilian von Maldeghem zeigt als Hegeringerleiter mit seiner Erklärung gegenüber dem DK deutlich auf, worum es vielen Jägern schlichtweg geht. Ums Schießen - und hier sogar unter dem Deckmäntelchen einer "Tradition". Es geht eben nicht um Arterhaltung von Niederwild, wenn man Tiere züchtet, um sie hinterher abzuschießen. Das erkennt auch ein Mensch ohne Jagdschein. Die mögliche Erklärung, dass ja nicht alle Tiere erlegt werden und dadurch eine Arterhaltung geschaffen wird, hinkt stark. Die nächste Entenjagd wird kommen.

Auch wirft es die grundsätzliche Frage des jagdlichen Umgangs mit Niederwild auf. Ich erinnere an die Fuchsjagd, die auch ihre jagdliche Rechtfertigung in der Arterhaltung von Wildtieren wie zum Beispiel Rebhühnern oder Feldhasen findet - beides jagdbares Niederwild und mittlerweile regional schon ausgerottet.

Der Leserbrief zu dem Vorfall in Kühbach zeigt, wie sehr Jäger um ihr Ansehen besorgt sind - zu Recht. Ja, solche Berichte tun ihrer Wahrnehmung wieder einmal gar nicht gut. Aber anstatt etwas zu ändern, wird einem ehemaligen Jagdkollegen nahegelegt, doch einfach in die Reihen zurückzukehren und "waidmännisch" zu jagen. Kein Wort über das Geschehene, aber ein guter, väterlicher Rat. Ich interpretiere es so, dass der Leserbriefschreiber die Entenjagd als nicht-waidmännisch einstuft - das freut mich. Wenn ich in einen Wildunfall verwickelt wäre und ein verletztes Tier noch lebt, würde ich mich auch freuen, wenn ein Jäger oder Forstbeamter das Tier erlöst. Richtig, auch dafür sind Jäger da. Die einen werden sogar von Steuergeldern bezahlt.

Es geht nicht grundsätzlich gegen die Jagd, aber gegen die Art und Weise, wie heute oft gejagt wird, bei Drückjagden, mit wildernden Jagdhunden (wie gerade wieder durch die städtische Forstverwaltung München im Landkreis Fürstenfeldbruck geschehen) oder eben bei der Entenjagd, Das ist es, was die breite Bevölkerung inzwischen massiv und angewidert ablehnt.

Übrigens sind solche Jagdmethoden (Entenjagd) auch in Ingolstadt und Umgebung üblich. Meist wird das gar nicht bemerkt oder die Anrainer schauen weg. Ich danke Josef Helfer von ganzem Herzen für seinen Mut und seinen Einsatz - ein Mensch mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Und ich möchte jeden ermutigen, solche Auffälligkeiten öffentlich zu machen. Es gibt auch unter Jägern herzensgute und gesetzestreue Menschen, die sich nicht dem Duktus "Wald vor Wild" beugen. Immer noch.

Ninja Winter

Ingolstadt