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14.08.2006 19:42 Uhr | x gelesen
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Alte Plätze und enge Gassen in Spaniens schönsten Dörfern


W er das "wahre Spanien" erleben möchte, sollte fernab der Städte und Strände einen Streifzug durch die Dörfer unternehmen. Dort erleben Besucher Land, Leute und Geschichte am besten. Schöne Dörfer gibt es in Spanien viele – und in fast jeder Region ist eines in der Reichweite von Mietwagen-Lenkern.


Der Gang durch das Stadttor von Pedraza de la Sierra in der Nähe von Segovia ist wie ein Sprung ins Mittelalter: Alte Steinhäuser säumen die Gassen aus Kopfsteinpflaster, es riecht nach Fleisch und Holzöfen. Abgesehen von wenigen Autos lässt kaum etwas auf die heutige Zeit schließen. Das schätzten auch die Filmemacher Orson Welles und Yves Montand. Welles drehte hier 1965 die Shakespeare-Geschichte "Falstaff", die im 15. Jahrhundert spielt. Yves Montand ließ in "La folie des grandeurs" Louis de Funès als Steuereintreiber im mittelalterlichen Spanien durch Pedrazas Gassen hetzen. Verändern mussten die Filmemacher an der Szenerie kaum etwas.

Seine Blütezeit erlebte Pedraza de la Sierra im 16. und 17. Jahrhundert, als die Region durch riesige Schafherden zu Wohlstand gelangte. Heute zählt Pedraza nur noch 465 Einwohner. "Doch das ruhige, entspannte Leben hier würde ich für nichts in der Welt eintauschen", verrät eine ältere Dame, die mit ihren Freundinnen zum Dorfplatz Plaza Mayor gekommen ist, "um Touristen anzuschauen".

Die Schwärmerei von Künstlern wie Joan Miró und Frédéric Chopin hat das Dorf Deià an der Nordwestküste Mallorcas berühmt gemacht. Tausend Jahre alte Olivenbäume und Jasmin-Büsche säumen den Weg zur Kirche, die über der Ortschaft thront. Orangen- und Zitronenbäume duften am Wegrand. Immer wieder kommt man an kleinen Ateliers vorbei.

Der Blick vom terrassenförmig angelegten Friedhof auf die Küste wusste schon der englische Schriftsteller Robert Graves zu schätzen, der Jahre lang in Deià lebte und sich hier begraben ließ. Auch Peter Ustinov, Kate Moss, Bruce Springsteen und Bob Geldof genossen schon die Idylle des versteckten Dorfes. Nächster berühmter Einwohner wird Ex-James-Bond Pierce Brosnan werden, der sich hier gerade eine Villa bauen lässt. Attraktiv ist auch die nähere Umgebung des Dorfes: Die Bucht von Deià gehört wohl zu den schönsten Stränden Mallorcas, die Pinienwälder und das wilde Felsengebirge sind ein Wanderer-Paradies.

In der Provinz Cádiz gelegen, ist Vejer de la Frontera ein Musterbeispiel der weißen Dörfer Andalusiens. Mit seinen steilen Gassen und den weiß bekalkten Häusern mit Geranien auf den Balkonen gehört es buchstäblich zu den prächtigsten Orten des Landes – bereits 1978 erhielt es den nationalen Tourismuspreis "Das Schönste Dorf". Vejer thront auf einem Berg, die Häuser bilden einen steinernen Irrgarten, in dessen Zentrum die Reste einer alten Maurenburg stehen.

Berühmt wurde Vejer während der Rückeroberung Spaniens von den Mauren. Die Region hatte über 600 Jahre unter arabischer Herrschaft gestanden. Die engen Gassen, Pflanzen, Speisen und Straßennamen in Vejer sind heute noch Erbschaften der langen maurischen Zeit. Erst im Jahr 1250 eroberte Spaniens König Fernando III. das Dorf zurück, das fortan die Grenze zwischen dem christlichen Spanien und dem von den Arabern besetzten Restgebieten in Andalusien darstellte.

Schon beim Anblick aus der Ferne wird schnell klar, wer d as Dorf Albarracín in den roten Fels gemeißelt hat: Berberische Moslems errichteten die Wehrburg im südlichen Aragonien im Jahr 970. Auch heute noch leben die Dorfbewohner in Häusern, die eigentlich gar keine sind: in Wassertürmen, in der Stadtmauer, in den Felsen.

Die Dorfbewohner geben sich zurückhaltend. Doch bei einem Glas Rotwein und pikanter Wildschweinwurst werden sie dann doch etwas gesprächiger: "Eigentlich ist Albarracín ein einziges Museum. Nicht nur, weil es hier so ruhig ist, sondern wegen der vielen historischen Bauten", sagt Gemüsebauer Juan Ramos, der sich gerade einen kräftigen Rotwein im "Mesón del Gallo" gönnt. Beim Spaziergang durch die gepflasterten Gassen trifft der Besucher immer wieder auf Paläste, Herrenhäuser und Kirchen mit beeindruckender Renaissancekunst. Albarracín steht als Weltkulturerbe unter Schutz der Unesco.

 

 

 

 

Das Dorf Santillana del Mar im nördlichen Kantabrien kann auf eine Geschichte zurückblicken, die bis in die Steinzeit reicht. Die Höhlen von Altamira, die "Sixtinische Kapelle des Paläolithikums", machten das Dorf über die Grenzen hinaus berühmt. Aus dicken Steinen geformte Herrenhäuser aus dem 15. Jahrhundert säumen die "Rúas" aus Kopfsteinpflaster der Altstadt.

Das größte touristische Interesse gilt zwar der Plaza Mayor und dem Merino-Turm aus dem 14. Jahrhundert. Doch Santillana hat mehr zu bieten als Architektur und Geschichte. Kantabrien ist für seine Küche bekannt – und wo kann man diese mehr genießen als in traditionellen Bauernküchen? Mit kräftigen Eintöpfen, Käse und Meeresfrüchten aus dem Atlantik verwöhnt der Ort Urlauber wie Einheimische.

Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Mylius?straße 14, 60323 Frankfurt, Tel efon (0 69) 72 50 38, Broschüren-Bestellung: (0 61 23) 9 91 34, Fax (0 69) 72 53 13); Internet: www.spain.info. ? gms

 




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