Mexiko-Stadt: geschätzte 25 Millionen Bewohner, Menschen, Smog, Dreck, Lärm, Kriminalität. Kann man trotzdem hier leben? Ja! Wie, das erfahren Sie im Oktober und November von Barbara Schröter. Die junge Frau aus Baar-Ebenhausen lebt und forscht für sechs Monate in Mexiko Stadt. Jeden Mittwoch schreibt uns die 28-jährige Politikwissenschaftlerin.
Auf der Puppeninsel
Mexiko-Stadt (DK) Im südlichen Stadtteil Xochimilco gibt es jede Menge Kanäle, fast wie in Venedig oder Amsterdam. Die Gegend ist auch für kuriose religiös-abergläubische Traditionen bekannt, die so typisch für Mexiko sind. Es gibt zum Beispiel die Insel der „Muñecas“, die Puppeninsel.

Ein Brunnen im Stadtzentrum zeigt, wie Mexiko-Stadt, Tenochtitlan, zur Zeit der Azteken ausgesehen hat.
Auch wenn es heute wegen der Wasserknappheit in der Stadt kaum mehr vorstellbar ist, wurde Mexiko-Stadt auf einer Insel im Texcoco-See gegründet. Das Wappen des Landes erzählt diese Geschichte. Es zeigt einen Königsadler, der eine Schlange verschlingt, dabei auf einem Nopal, einem Kaktus, sitzt und sich auf besagter Insel niedergelassen hat.
Genau auf dieses Zeichen, das die Götter vorhergesagt hatten, hatten die Azteken zweihundert Jahre gewartet, um ihre Stadt Tenochtitlan gründen zu können. Sie verbanden mehrere Inseln miteinander und erweiterten das Land durch künstlich aus Schlamm angelegte „Chinampas“, die für die Landwirtschaft benutzt wurden. Zwischen den verschiedenen Inseln und Landstücken bewegten sie sich auf den Kanälen hauptsächlich mit dem Kanu fort.
Kanu fahren kann man auch heute noch, im Stadtteil Xochimilco. Dort gibt es die Kanäle noch, an deren Ufern teilweise kleinere Häuser gebaut sind. Der Großteil ist jedoch von Natur umgeben. Eine populärere Methode der Fortbewegung an Stelle des Kanus sind die so genannten „trajineras“. Diese Stocherkähne sind mit farbenfrohen Blumen geschmückt. Sie werden von Condoleros gefahren, die das Boot mit einem Stock fortbewegen - ähnlich wie es die Condolieri in Venedig machen.
Dementsprechend enttäuscht war ich bei meinem ersten Ausflug nach Xochimilco, da die erhoffte Romantik nicht zu finden ist. Die Blumen sind im Gegensatz zu früher nicht mehr echt, sondern mit Farbe an die „trajinera“ gemalt.
Und es handelt sich auch nicht um kleine Kähne für zwei bis vier Leute, die einen romantischen Ausflug erlauben. In der Mitte steht eine Art Bierbank und der Kahn fasst zirka 20 bis 30 Leute. Dementsprechend nutzen die Mexikaner sie vor allem als Partyschiffe am Wochenende und bis spät in die Nacht. Es geht laut zu, es wird viel getrunken, gegessen, gesungen, gelacht, getanzt. Auf kleineren Booten nähern sich Musikgruppen, Essen- oder Blumenverkäufer.
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