Mittwoch, 08.09.2010 |

 
Mexiko-Stadt: geschätzte 25 Millionen Bewohner, Menschen, Smog, Dreck, Lärm, Kriminalität. Kann man trotzdem hier leben? Ja! Wie, das erfahren Sie im Oktober und November von Barbara Schröter. Die junge Frau aus Baar-Ebenhausen lebt und forscht für sechs Monate in Mexiko Stadt. Jeden Mittwoch schreibt uns die 28-jährige Politikwissenschaftlerin.
 
21.10.2008 16:51 Uhr | 446x gelesen
Drucken Text vergrößern

Auf der Puppeninsel


Mexiko-Stadt (DK) Im südlichen Stadtteil Xochimilco gibt es jede Menge Kanäle, fast wie in Venedig oder Amsterdam. Die Gegend ist auch für kuriose religiös-abergläubische Traditionen bekannt, die so typisch für Mexiko sind. Es gibt zum Beispiel die Insel der „Muñecas“, die Puppeninsel.



Bild: Barbara Schröter Ein Brunnen im Stadtzentrum zeigt, wie Mexiko-Stadt, Tenochtitlan, zur Zeit der Azteken ausgesehen hat.
Was hat Mexiko-Stadt mit Venedig oder Amsterdam gemeinsam? Richtig: Kanäle! Auf diesen kann man heute allerdings nur noch im südlichen Stadtteil Xochimilco („Sotschimilco“) schippern. Und das zum Großteil in der Natur.

Auch wenn es heute wegen der Wasserknappheit in der Stadt kaum mehr vorstellbar ist, wurde Mexiko-Stadt auf einer Insel im Texcoco-See gegründet. Das Wappen des Landes erzählt diese Geschichte. Es zeigt einen Königsadler, der eine Schlange verschlingt, dabei auf einem Nopal, einem Kaktus, sitzt und sich auf besagter Insel niedergelassen hat.


Bild: Barbara Schröter Die Kanäle von Xochimilo.
Genau auf dieses Zeichen, das die Götter vorhergesagt hatten, hatten die Azteken zweihundert Jahre gewartet, um ihre Stadt Tenochtitlan gründen zu können. Sie verbanden mehrere Inseln miteinander und erweiterten das Land durch künstlich aus Schlamm angelegte „Chinampas“, die für die Landwirtschaft benutzt wurden. Zwischen den verschiedenen Inseln und Landstücken bewegten sie sich auf den Kanälen hauptsächlich mit dem Kanu fort.
 

Bild: Barbara Schröter So bewegen sich die Anwohner fort.
Kanu fahren kann man auch heute noch, im Stadtteil Xochimilco. Dort gibt es die Kanäle noch, an deren Ufern teilweise kleinere Häuser gebaut sind. Der Großteil ist jedoch von Natur umgeben. Eine populärere Methode der Fortbewegung an Stelle des Kanus sind die so genannten „trajineras“. Diese Stocherkähne sind mit farbenfrohen Blumen geschmückt. Sie werden von Condoleros gefahren, die das Boot mit einem Stock fortbewegen - ähnlich wie es die Condolieri in Venedig machen.


Bild: Barbara Schröter Mit Blumen "geschmückte", d.h. heute leider nur noch bemalte Trajineras. Alle haben einen Namen.
Dementsprechend enttäuscht war ich bei meinem ersten Ausflug nach Xochimilco, da die erhoffte Romantik nicht zu finden ist. Die Blumen sind im Gegensatz zu früher nicht mehr echt, sondern mit Farbe an die „trajinera“ gemalt.

Und es handelt sich auch nicht um kleine Kähne für zwei bis vier Leute, die einen romantischen Ausflug erlauben. In der Mitte steht eine Art Bierbank und der Kahn fasst zirka 20 bis 30 Leute. Dementsprechend nutzen die Mexikaner sie vor allem als Partyschiffe am Wochenende und bis spät in die Nacht. Es geht laut zu, es wird viel getrunken, gegessen, gesungen, gelacht, getanzt. Auf kleineren Booten nähern sich Musikgruppen, Essen- oder Blumenverkäufer.

Seite
| 1 | 2 | >>

Mehr zum Thema:
Barbara Schröter
Besuchen Sie Barbara Schröters Profil.
 
Machen auch Sie einen längeren Auslandsaufenthalt? Schreiben Sie gerne und gut? Dann melden Sie sich bei uns (online@donaukurier.de). Wir suchen immer gute Korrespondenten für unsere Reisekolumne. Wir freuen uns.
 
 

 
Artikel weiterempfehlen  Empfehlen Artikel verlinken  Artikel verlinken

Wenn Sie diesen Artikel von donaukurier.de verlinken möchten, können Sie einfach folgenden HTML-Code verwenden:

 

Drucken  Drucken  Leserbrief schreiben   Leserbrief Kommentare lesen/schreiben  Kommentieren

Kommentare

Symbol = Kommentar melden= Kommentar melden
Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. mehr
Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.

 

Um Artikel kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Jetzt kostenlos Community-Mitglied werden und mitmachen!

Benutzername  
Passwort      
Noch keinen Zugang?
Jetzt kostenlos registrieren!
Anmeldung über Cookie merken