Mittwoch, 08.09.2010 |

 
Mexiko-Stadt: geschätzte 25 Millionen Bewohner, Menschen, Smog, Dreck, Lärm, Kriminalität. Kann man trotzdem hier leben? Ja! Wie, das erfahren Sie im Oktober und November von Barbara Schröter. Die junge Frau aus Baar-Ebenhausen lebt und forscht für sechs Monate in Mexiko Stadt. Jeden Mittwoch schreibt uns die 28-jährige Politikwissenschaftlerin.
 
26.09.2008 16:06 Uhr | 1230x gelesen
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Mein mexikanisches Leben


Mexiko-Stadt (DK) Das Flugzeug setzt zum Landeanflug an und taucht ein in das Häusermeer, das bis an die Landebahn heranreicht. Trotz Regenzeit - normalerweise öffnet der Himmel seine Schleusen am späten Nachmittag - scheint die Sonne und es gibt keinen Smog, die Aussicht ist gigantisch. Einen besseren Empfang gibt es nicht. Der Bildschirm zeigt an: 2500 Meter. Ich bin wieder einmal gelandet, in Mexiko-Stadt.



Bild: Babara Schröter José Luis und Jacaranda: meine Mitbewohner.
Nach den Formalitäten öffnet sich die Schiebetür und ich stehe im Blitzlichtgewitter. Ein Meer von Mexikanern, die ihre Liebsten abholen, ruft und winkt mir entgegen. Doch wo sind meine Leute? Niemand zu sehen! Na klar, ich habe nichts anderes erwartet und schleppe mein Gepäck zum angrenzenden Café. Nach 40 Minuten kommen sie angetrabt, Jacaranda und José Luis, meine Mitbewohner, und fallen mir um den Hals. „Babsiiiii! Tausend mal Entschuldigung! Aber der Verkehr! Du weißt schon!“ Ich weiß.


Bild: Babara Schröter Blick von der Torre Latinoamericana auf den Zócalo bei gutem Wetter.
Jetzt trotz verlockender Angebote nur kein falsches Taxi nehmen, sondern lieber ein wegen des Monopols überteuertes Flughafentaxi. Denn schließlich will man ja mit allen Koffern ankommen und nicht schon bei der Ankunft ausgeraubt werden. Auf dem Weg nach Hause bekommen wir auch gleich wieder eine Kostprobe vom Verkehr.  Rush Hour! Für die zirka zehn Kilometer brauchen wir fast eine Stunde.

Das Chaos ist nichts Neues für mich, schließlich habe ich bereits das vergangene Jahr hier verbracht, um für meine Doktorarbeit in Politikwissenschaft zu forschen, die es nun zu Ende zu bringen gilt. Somit ist es fast eine Rückkehr nach Hause. Ich wohne wieder in der gleichen „Kolonie“, Narvarte, einem mittelständischen Viertel, in dem sich Einfamilienhäuser mit Mehrfamilienhäusern abwechseln und die Straßen von Bäumen gesäumt sind.


Bild: Babara Schröter Blick von der Torre Latinoamericana auf die Stadt bei Smog.
Die  Häuser sind erdbebenfest und schwanken schon mit, wenn ein größerer LKW auf der Straße vorbei fährt. Auch die  Wasser- und Stromversorgung funktioniert im Vergleich zu anderen Stadtteilen recht gut. Ein weiterer Vorteil ist die zentrale Lage und der Anschluss an das öffentliche Verkehrssystem. Wenn es gut läuft, brauche ich nach allen Seiten eineinhalb Stunden, um aus der Stadt rauszukommen.

Aber neben der Einflugschneise des Flughafens, was manchmal ziemlich laut werden kann, haben wir auch die höchste Kriminalitätsrate, da hier die meisten Autos geklaut werden. Und leider können wir uns nicht hinter hohen Mauern verschanzen wie die Superreichen in der Kolonie „Las Lomas“, sondern können uns nur auf unsere Hunde oder eventuell den Wachdienst der Wohnanlagen verlassen.

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Von Barbara Schröter

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