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02.06.2003 18:00 Uhr | 253x gelesen
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Wo Goethe im Haushalt half: Zu Gast bei Lotte in Wetzlar


Bild: Wo Goethe im Haushalt half: Zu Gast bei Lotte in Wetzlar.  Sie gehört zu Wetzlar wie der Dom zu Köln: die Lotte, genauer: Goethes Lotte. Sie wurde zum Inbegriff romantischen Liebeswerbens, das letztlich erfolglos blieb. Nicht der junge Praktikant am Wetzlarer Reichskammergericht fand ihre Gunst, sondern der ältere, schon seit Jahren werbende Konkurrent: eine sichere Partie. Goethe rächte sich auf seine Weise. Er machte Lotte in den \

Sie gehört zu Wetzlar wie der Dom zu Köln: die Lotte, genauer: Goethes Lotte. Sie wurde zum Inbegriff romantischen Liebeswerbens, das letztlich erfolglos blieb. Nicht der junge Praktikant am Wetzlarer Reichskammergericht fand ihre Gunst, sondern der ältere, schon seit Jahren werbende Konkurrent: eine sichere Partie. Goethe rächte sich auf seine Weise. Er machte Lotte in den "Leiden des jungen Werthers" unsterblich.


Weimar
Bild: Traub Hier im Deutschordenshof wuchs Goethes Lotte auf. Heute beherbergen die Gebäude das Lotte-Museum (links) sowie das Stadt- und Industriegeschichtliche Museum Wetzlars.

"Nieder mit Goethe" steht auf einem Transparent, das über einer Geschäftsstraße in Wetzlars historischer Altstadt hängt, in der die Fachwerkhäuser Spalier stehen. Will man das Andenken an den Dichterfürsten plötzlich mit Füßen treten? Keineswegs. Dem Hinweis auf eine Veranstaltung im Wetzlarer Kultursommer lässt sich entnehmen, dass einmal nicht der Geheimrat im Mittelpunkt stehen soll, sondern Lotte. Schließlich bietet der 250. Geburts- wie der 175. Todestag Anlass, an dieses für die damalige Zeit so prototypische Frauenzimmer zu erinnern.

Die Stadt, die die gebürtige Wetzlarerin Charlotte Buff kennen gelernt hat, ist heute noch weitgehend erhalten. Vom grünen Lahnufer aus stapeln sich die alten Häuser die Hänge hinauf, hoch zum nie vollendeten Dom. Drumherum schlängeln sich die Kopfsteinpflastergassen, durch die Lotte mit festem Schritt, ihre jüngeren Geschwister an der Hand, zum Einkauf auf den Fischmarkt gegangen ist. An Stelle ihrer früh verstorbenen Mutter musste sie den Haushalt im Deutschordenshof führen, in dem Lotte seit ihrer Geburt lebte, und wo ihr im Sommer 1772 ein gewisser Dr. Goethe seine Aufwartung machte.

Längst sind Lottes Geburtshaus und die umliegenden Gebäude zu Museen umgewidmet worden. Das Wetzlar der Lotte-Zeit war ein Ort im Aufbruch. Viele der heute noch das Stadtbild prägenden Bürgerhäuser entstanden in jenen Jahren. Mittlerweile ist das seinerzeit verputzte Fachwerk wieder freigelegt worden. Hier ließen es sich die Familien der Richter und Advokaten am Reichskammergericht wohl ergehen.

Dieses oberste Gericht im Reich, das seit 1690 seinen Sitz in Wetzlar hatte, bot Goethes Vater den Anlass, seinen Sohn dorthin zu weiterführenden Studien zu schicken. Der Frankfurter Großbürgerssohn trat die mehrmonatige Reise ins provinzielle Lahn-Städtchen jedoch eher missmutig an. Nach der Bekanntschaft mit der 19 Jahre alten Charlotte, die als charmante und lebenskluge Frau mit sensiblem Wesen beschrieben wird, legte sich das schnell. Häufig spazierte Goethe vom Kornmarkt, wo er wohnte, zum Haus der Familie Buff. Dort half er Lotte bei der Hausarbeit, bei der Erziehung der Geschwister oder lauschte ihren Liedern, zu denen sie sich am Klavier begleitete.

Die Juristerei kam eindeutig zu kurz. Doch der Weltliteratur konnte es nur recht sein. Mit Lotte, ihrem späteren Ehemann Kestner und Freunden zog Goethe am Wochenende aufs Land, um die Zeit in ungezwungener Geselligkeit zu verbringen. Begleitet wurde die Gruppe von dem ebenfalls unglücklich verliebten Sekretär Karl Wilhelm Jerusalem · dem eigentlichen Werther-Vorbild. An ihn erinnert eine kleine Ausstellung in seiner Stube am Schillerplatz. Im Schreibtisch findet sich die Pistole, mit der er seinem Leben ein Ende gesetzt hat.

Viele Stätten dieses so tragisch-schönen Sommers des Jahres 1772 können heute noch aufgesucht werden. Dass Wetzlar nun mit einer Ausstellung ("Goethes Lotte · Ein Frauenleben um 1800" bis 22. Juni) und Stadtrundgängen an die reale Lotte erinnert, erweitert den Blick auf die vielen sehenswerten Orte ihrer Heimatstadt. Lotte ließ sich von Goethes Schwärmereien nicht erweichen, folgte ihrem Mann nach Hannover und war keineswegs erfreut, als der "Werther" 1774 erschien.

Informationen: Tourist-Information Wetzlar, Tel.: (0 64 41) 9 93 38, Internet: www.wetzlar.de.


Von Ulrich Traub

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