Radlsommer Riedenburg
Während man früher im Altmühltal auf ebener Strecke gemütlich mit dem Fahrrad unterwegs war, eröffnen die modernen E-Bikes völlig neue Tour-Möglichkeiten. Denn mit elektrischer Unterstützung lassen sich die Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkte auf den Jurahöhen ohne übertriebene Anstrengungen erreichen.
Erl
Riedenburg

Der Umstieg von meinem alten Mountainbike auf ein E-Bike produziert ein spannendes Kribbeln in der Magengegend. Nun steht es also da, mit aufgeladenem Akku und einem digitalen Display neben den vielen Hebeln an der Lenkstange. Ein wenig ungewohnt sind die ersten paar hundert Meter auf dem Kettler E Light Sport mit der unterstützenden Kraft des Bosch Lithium Ionen Akku 500 Wh, 13,4 Ah und einem maximalen Drehmoment von 75 Nm – wie es für Fachleute heißt – schon. 

Die technischen Zahlen sagen mir wenig, die versprochene Unterstützung meiner eigenen Körperkraft um 300 Prozent dagegen schon mehr. Für den DONAUKURIER-Sommerausflug leiht mir Martin Willner vom Willner-Fahrradzentrum in Ingolstadt dieses Alltagssportrad für ein paar Tage aus, und natürlich nimmt er sich die Zeit, mich in die Feinheiten einzuweisen.


Hier finden Sie die GPS-Daten der Route zum Download


Doch die ersten Meter auf gerader Strecke vor dem Center in der Friedrichshofener Straße sind anders als hier am Fuß der Altmühlhänge. Ich schätze mich ehrlicherweise auch mit Blick auf die weichen Rundungen um die Körpermitte nicht als Sportskanone ein und als „Silverliner“ im oberen 50-er Altersbereich bin ich mit ganz anderer Technik aufgewachsen. Dennoch dauert es nicht lange, bis ich mich mit dem neuen Rad auf ebener Strecke sicher fühle. Alle Bedienelemente sind überschaubar angebracht und das Handling geht schon nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut über. Der ergonomisch geformte Lenker mit seinen angenehmen Griffen und der moderne Gel-Sattel tragen ebenfalls ihr Schärflein dazu bei, dass man sich auf dem Rad wohlfühlt.

Auch die in fünf Ebenen wählbare Unterstützung durch den Elektromotor wird bald zur lieben Bequemlichkeit und das Schalten der Kette über die Zahnkränze des Hinterrades bin ich ohnehin von meinem Bike gewohnt. Zudem genieße ich das entspannende Gefühl, wenn sich am Berg die Kraft des Elektromotors beim Wechsel in die nächst höhere Unterstützungsstufe zuschaltet.

Ungewohnt dagegen ist die Verlagerung des Schwerpunktes am Fahrrad nach oben. Schuld daran ist der 2577 Gramm schwere Akku, der am Vorderholm des Rahmens befestigt ist. Dieses Konstruktionsprinzip beeinflusst das Fahrgefühl besonders in den Kurven spürbar, doch auch daran gewöhne ich mich nach kurzer Zeit. Mit dem Wechselspiel von Zahnkränzen und E-Unterstützung schaffe ich bald im ebenen und hügeligen Gelände eine Reisegeschwindigkeit von über 20 Stundenkilometern. Bis 25 Stundenkilometer unterstützt mich der Motor, alles darüber muss ich selber leisten.

Doch, liebe E-Biker, gebt dabei vor allem im Stadtverkehr und an Einmündungen auf die Autofahrer acht. Sie sind es noch nicht gewohnt, dass ihnen Radfahrer mit Silberschimmer im Haar mit dieser Geschwindigkeit entgegen kommen.

 

Achterbahnfahrt durch das Altmühltal

Das E-Bike ermöglicht Abstecher zu den malerischen Burgen und großartigen Aussichtspunkten auf den Jurahöhen

Burg Prunn
Ein der bekanntesten mittelalterlichen Festungsanlagen in Deutschland ist die hoch über dem Altmühltal aufragende Burg Prunn.
Meier
Riedenburg

Wie im Fahrgeschäft auf der Dult geht es immer wieder hoch hinauf und dann tief hinunter. Das E-Bike eröffnet im Altmühltal völlig neue Touren mit steilen Anstiegen, temporeichen Abfahrten und schwungvollen Kurven. Bewältigt wird eine Strecke von knapp 50 Kilometern mit etwa 660 Meter Höhenunterschied. Der Lohn sind großartige Aussichtspunkte, das Gefühl für die Weite der Jurahöhen mit den satten Feldern und dunklen Wäldern und die Rastmöglichkeiten in manchen der Biergärten am Wegrand.

Wir beginnen die Tour am Dorfplatz im Riedenburger Ortsteil Deising (Kreis Kelheim) auf etwa 370 Höhenmetern. Wie beim Volksfest steht auch hier der steilste Aufstieg gleich am Anfang. Es ist die Strecke hoch nach St. Gregor. Nachdem wir die Brücke über den Main-Donau-Kanal gequert haben, zieht sich die Straße mit 18 Prozent Steigung im Mittelstück fast senkrecht den Altmühlhang hoch. Eines sei vorab noch gesagt: Auch wenn man mit dem E-Bike fährt, ist ein Mindestmaß an sportlicher Kondition und Erfahrung mit dieser Technik unerlässlich. Obwohl der Elektromotor stark mithilft, so fährt das Fahrrad doch niemals von alleine. Doch was man ohne Stromkraft niemals geschafft hätte – hier strampelt man den Berg in einem Zug hoch und lässt die Schweißperlen durch den Fahrtwind trocknen, wenn man links abbiegt, um einen Abstecher zum Aussichtspunkt Flügelsfelsen zu machen. Die kleine Pause dort lohnt sich, nirgendwo sonst reicht der Blick so weit ins Altmühltal und tief hinunter zum Ausgangspunkt. Man fährt zurück zur Stammstrecke und weiter durch St. Gregor, bis die Straße an einem Waldrand zur Talabfahrt rechts nach Gundlfing einmündet. 
Die nächsten Kilometer durch den Wald sind bei erträglichem Gefälle wunderbar kurvenreich. Im Dorf wählt man die Unterführung unter die Staatsstraße 2230, schwenkt auf dem gegenüberliegenden Radweg nach rechts und quert die nur einige 100 Meter entfernte Brücke für den weiteren Weg nach Riedenburg. Dabei kommt man an der Sommerrodelbahn und am Badesee St. Agatha vorbei. 

Im Stadtzentrum von Riedenburg stehen neben der Tourist-Info am Marktplatz eine Ladestation für E-Bikes und daneben die schattig beschirmten Biertische eines Hotelgasthofs. „Wir haben verschiedene Adapter für die Akkus von E-Bikes vorrätig“, sagt Julia Wiese von der Tourist-Info. Doch leider passt für meinen Akku keiner davon. Gut, dass ich mein eigenes Ladegerät im Rucksack habe. So gönne ich den Batterien frische Ampere und mir eine kühle Radlerhalbe. Denn der Aufstieg nach Flügelsberg hat einen kompletten Lichtbalken der Ladeanzeige und mich viel Schweiß gekostet.

Nach der Rast quert man die Stabbogenbrücke, fährt nach rechts am Kloster St. Anna vorbei bis zum Ortsende und dann nach Prunn. Der kilometerlange Aufstieg nach Burg Prunn ist die nächste Herausforderung für Mensch und Maschine. Doch auch die ist für einen Stromtreter gut zu bewältigen – und der Abstecher zur bestens erhaltenen Ritterburg und dem Biergarten daneben lohnt allemal. 

Die Tour führt dann durch Baiersdorf und man biegt bald danach links ab. Diese schmale Straße führt vorbei an weiten Feldfluren und durch den waldreichen Emmertaler Grund bis nach Jachenhausen, dem mit 541 Höhenmetern höchsten Punkt der Tour. Die Straße erstreckt sich links weiter durch Otterzhofen und Perletzhofen und zur Abfahrt nach Gundlfing. Wieder geht der Weg nach der Staatsstraßenquerung nach rechts. Während der Fahrt entlang des Main-Donau-Kanals kommt man am rekonstruierten bronzezeitlichen Gehöft von Oberhofen vorbei. Auf der Brücke von Untereggersberg quert man erneut die Wasserstraße und strampelt hoch in Richtung Obereggersberg. Auch dieses Renaissanceschloss samt Gastronomie wäre einen Besuch wert, doch wir fahren auf dem Feldweg quer durch die Flur nach Thann, biegen an der Kirche in Richtung Meihern nach rechts ab und verlassen diese Gemeindestraße nach 100 Metern mit einem Schwenk nach links. Wir gönnen uns die Fahrt durch ein schluchtartiges waldreiches Seitental nach Altmühlmünster. Vom Passionsspielort radeln wir bequem zurück zum Startpunkt nach Deising. 

Mein Blick fällt zum Schluss auf die Ladestandsanzeige des Akku. Der Strom hätte vermutlich auch ohne Zwischenladung für die gesamte Tour gereicht – doch meine eigenen Akkus haben während der Achterbahnfahrt durch das Altmühltal dringend nach einigen Pausen in den Biergärten am Wegrand verlangt.
 

Wissenswertes der Tour

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Grafik: DK
Riedenburg

Anreise

Mit dem Auto von der Autobahn A 9 ab der Ausfahrt Denkendorf in Richtung Dietfurt und bei der Ortschaft Zell in den kleinen Riedenburger Ortsteil Deising. Aus allen anderen Richtungen im Altmühltal der Staatsstraße 2230 folgen. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Kinding oder Saal. Die Fahrzeiten mit dem Freizeitbus einschließlich Fahrradanhänger im Altmühltal sind im Internet unter www.naturpark-altmuehltal.de/freizeitbus/ zu finden.
 

Dauer

Für durchschnittlich sportliche E-Biker ist die Strecke einschließlich einer Ladepause in gut dreieinhalb Stunden zu schaffen. Wer allerdings touristische Höhepunkte wie die Sommerrodelbahn, eine Flugvorführung auf dem Falkenhof Schloss Rosenburg, eine Führung durch Burg Prunn oder einen Badestopp im See St. Agatha erleben möchte, sollte deutlich mehr Zeit einplanen. Von den Raststationen und Biergärten am Streckenrand ganz zu schweigen.
 

Ein spezieller Tipp

Natürlich sind der Falkenhof auf der Rosenburg in Riedenburg und Burg Prunn faszinierende Erlebnisorte. Die Flugvorführungen mit Falken und Geiern auf der Artenzuchtstation beeindrucken durch die Kraft und Eleganz der Greifvögel. Auf Burg Prunn wurde eine komplette Handschrift des Nibelungenliedes gefunden. Mit dem neu gestalteten Führungskonzept erleben die Besucher einen tiefen Einblick in das Alltagsleben auf einer mittelalterlichen Burg.

 

Was es zu entdecken gibt

Badesee St. Agatha bei Gundlfing

Das Wasser des idyllisch nahe Gundlfing gelegenen Badesees wird aus unterirdischen Quellen gespeist. Die weiten Liegeflächen bieten selbst an heißen Tagen noch Platz für Erfrischung suchende Radfahrer.
 

Kristallmuseum in Riedenburg

Die Vielfalt der Mineralien mit der größten Bergkristallgruppe der Welt und dazu die Wirkung der Steine nach den Lehren der Hildegard von Bingen können hier erlebt werden. Die angegliederte Fasslwirtschaft bietet zahlreiche Spiel- und Freizeitmöglichkeiten für Groß und Klein.

 

Pestkirchlein Emmertal

Das malerische Kirchlein liegt unmittelbar an der Radstrecke zwischen Riedenburg und Prunn. Der Sage nach wurden hier am Ende des Dreißigjährigen Krieges die Pestopfer beerdigt. Tatsächlich wurde das Gotteshaus im Jahr 1650 von General Truckmiller als Besitzer der Hofmark Prunn erbaut. Er erfüllte damit ein Gelübde, nachdem seine Familie im Pestjahr 1649 von der Seuche verschont worden war.

 

Bronzezeitlicher Hof bei Oberhofen

Entsprechend der Grabungsfunde wurde hier ein bronzezeitlicher Herrensitz rekonstruiert. Diese mit Graben und Palisade umschlossenen Gehöfte waren während der Hallstattzeit eine in Bayern weit verbreitete Siedlungsform, vor allem entlang der Donau und ihrer Nebenflüsse. In Bayern sind bislang circa 177 solcher Höfe bekannt, die vom Beginn der Eisenzeit im achten Jahrhundert vor Christus bis um 400 vor Christus vorkommen.
 

Nächste Woche machen wir eine gemütliche, sagenhafte Tour.