Donnerstag, 22. Februar 2018
 

 

26.09.2008 19:36 Uhr | x gelesen
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"Beruf mit großer Spannbreite"


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Beilngries (jr) Nach 30-jähriger CSU-Regierung im Rathaus hat seit Mitte Juni eine parteifreie Bürgermeisterin in beilngries das Sagen. Brigitte Frauenknecht (Bürgerliste/ Parteiloser Block/Freie Wählergemeinschaft) erhielt bei der Wahl am 15. Juni 57,9 Prozent der Stimmen. Seit Freitag ist die 55-jährige Kottingwörtherin genau 100 Tage im Amt. Unser Redakteur Josef Riedl unterhielt sich am Dienstag mit der Gemeindechefin über Erfahrungen, Überraschungen, Projekte und Wünsche.


Schöne Aufgabe: Am Dienstagmittag überreichte Bürgermeisterin Brigitte Frauenknecht (rechts) Gertrud Sillner aus Beilngries den Stadtschlüssel mit Urkunde für die 35-jährige Leitung des Blockflötenunterrichts für Kinder und das langjährige Vorturnen bei der FC-Damengymnastik. Die Idealistin freute sich sichtlich über die "überraschende Ehrung". - Foto: Riedl

Frau Frauenknecht, wie fühlen sie sich heute, wenige Tage vor dem "kleinen Amtsjubiläum 100 Tage Bürgermeisterin", und wie sieht ihr heutiger Tagesablauf aus

Brigitte Frauenknecht: Anfänglich habe ich mich gefühlt wie jemand, der ins Wasser geschmissen wird und kräftig rudert, dass er nicht untergeht. Zwischenzeitlich macht es Freude, weil man die Abläufe kennt, selber gestalten und im Zusammenspiel zwischen Stadt und Bürgern persönliche Akzente setzen kann. Ich fühle mich gut. Mein heutiger Tagesablauf ist gespickt mit Terminen. Gleich am Morgen habe ich Urkunden für Geburtstage im Oktober unterschrieben und besprochen, welche Geschenke die Senioren künftig bekommen sollen. Das Ergebnis: Künftig gibt es zwei hochwertige Säfte anstatt einer Flasche Sekt. Um 10 Uhr habe ich eine Besprechung mit Marlene Breitschopf wegen der Seniorenarbeit, um 11 Uhr überreiche ich bei Gertrud Sillner in Beilngries den Stadtschlüssel mit Urkunde für langjährige ehrenamtliche Dienste. Um 14 Uhr bekomme ich Besuch von früheren Kollegen aus dem Christian-Scheiner-Gymnasium Ingolstadt. Zu einem Ehejubiläum darf ich um 17 Uhr gratulieren. Um 19 Uhr werde ich einen von mir initiierten Vortrag über Patientenverfügung im ehemaligen Kottingwörther Schulhaus besuchen.

 

Was war bisher ihre schwierigste und was ihr schönste Aufgabe als Gemeindechefin

Frauenknecht: Das schönste Erlebnis war die herzliche Begegnung mit den Burgeisern beim Altstadtfest und die Feier mit Unterzeichnung der Patenschaftsurkunde. Die schwierigste Aufgabe – in Anführungszeichen – war das Anzapfen des Bierfasses auf der Bühne im Volksfestzelt.

 

Welche Überraschungen haben sich seit Amtsantritt aufgetan, habe sie "Leichen" im Rathauskeller entdeckt

Frauenknecht: Überraschungen größerer Art hat es weniger gegeben. Allerdings gibt es viele Vorgänge, die von meinem Vorgänger überhaupt nicht oder nur halb behandelt wurden. "Leichen" habe ich bisher nicht entdeckt.

 

Welchen Projekten gilt zurzeit ihr Hauptaugenmerk

Frauenknecht: Vorrangig der Sanierung der Hauptschule. Ich habe heute aus dem DONAUKURIER erfahren müssen, dass laut Kultusminister Siegfried Schneider in Altmannstein eventuell ein kompletter M-Zug eingerichtet werden soll. So etwas nimmt uns die Planungssicherheit. Wenn andere Schulen von einer solchen Änderung betroffen sind, aber nicht informiert werden, finde ich es nicht gut, dass solch wichtige Planungen der Presse zu entnehmen sind. Wir wollen in Beilngries doch nicht ins Blaue investieren. Es besteht im Stadtrat Beilngries der Konsens, dass die Hauptschule saniert und nicht erweitert wird und schnelle Schritte erforderlich sind. Eine Turnhalle mit Mehrfachnutzung ist wünschenswert.

Immer ein Thema ist natürlich die Umgehungsstraße. Hier laufen die letzten Grundstücksverhandlungen für den Bauabschnitt I. Befasst bin ich natürlich auch mit der Sanierung der Wasserversorgung und mit der Sanierung der Kläranlage.

 

Wann wird die Sanierung der Wasserversorgung in Angriff genommen und wann könnte ihrer Ansicht nach die Umgehungsstraße eröffnet werden

Frauenknecht: In Sachen Wasserversorgung hat mich bei einer mehrstündigen Besichtigung der Brunnen II und III, des Wasserwerkes sowie der Hochbehälter am Arzberg und in Biberbach am vergangenen Freitag mit Wasserwart Franz Meier überrascht, dass die technischen Anlagen picobello gepflegt werden. Das größte Problem stellt der Hochbehälter am Arzberg dar. Auch in einem Gespräch am Montag mit Experten, an dem alle Bürgermeister, die Fraktionssprecher und der Umwelt- und Baureferent Josef Keckl teilgenommen haben, hat sich herausgestellt, dass Beilngries über ein gutes Wasser verfügt und die Anlage sehr gepflegt ist. Nicht gravierend sind Probleme mit Mangan und Eisen, die regelmäßig ausgefällt werden müssen. Das eigentliche Hauptproblem ist, dass nötige Investitionen in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht erfolgt sind. Man hätte immer wieder reparieren und modernisieren müssen. Obwohl seit langem bekannt, wurden statische Mängel am Hochbehälter am Arzberg nicht behoben. Vor kurzem hat der Bauausschuss des Stadtrats endlich die Sanierung in Auftrag gegeben. Im Haushalt sind hierfür 70 000 Euro eingeplant. Wie es mit der Gesamtsanierung weitergeht, ob ein Teilwasserbezug von der Jura-Schwarzach-Thalach-Gruppe erfolgen soll, darüber und andere Fragen muss der Stadtrat entscheiden.

In Sachen Umgehungsstraße sehe ich einen Beginn in zwei Jahren als durchas möglich an. In Kürze wird bei der Regierung ein Gespräch wegen der möglichen Zuwendungen erfolgen. Das Projekt muss ja finanziert werden. Alle Fraktionen wollen dazu beitragen, dass die Realisierung bald beginnen kann, weil insbesondere die Anbindung des Schulzentrums ein Anliegen ist.

 

Was steht in den nächsten Stadtratssitzungen zur Entscheidung an

Frauenknecht: Voraussichtlich schon am 9. Oktober wollen wir darüber abstimmen, ob der Krammarkt in der Innenstadt verbleibt oder wieder in die Ringstraße zurückverlegt wird. Es ist auch eine Entscheidung über die Fortführung von Jura 2000 und dessen Finanzierung sowie gleichzeitig über die Finanzierung von Altmühl-Jura zu fällen. Ich persönlich bin der Meinung, dass Jura 2000 weiter existieren muss, weil uns das eine bestimmte Note gibt und in der Gestaltung und Vermarktung unseres Raumes eine gute Unterstützung ist.

 

Was wird 2009 zu den schwierigsten Aufgaben in Beilngries zählen

Frauenknecht: Zu den schwierigsten Aufgaben wird die Sanierung der Kläranlage gehören. Wir waren im Stadtrat bislang immer der Meinung, die Abwasseranlage befinde sich in einem guten Zustand. Es hat sich aber herausgestellt, dass die bei Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 2000 und 2001 eingesetzten Materialen nach Aussagen von Fachleuten nicht zufriedenstellend waren. Es muss wieder saniert werden. Der Aufwand wird rund eine Millionen Euro verschlingen. Früher hätte es für die Sanierung noch Zuschüsse gegeben, jetzt haben wird die Kosten voll selbst zu tragen.

 

Ist das Amt einer Bürgermeisterin ein harter Job. Haben Sie sich schon gelegentlich in ihren früheren Beruf als Studiendirektorin zurückgewünscht

Frauenknecht: Interessanterweise wird mir diese Frage oft gestellt. Und wenn mich jemand so fragt, dann fällt mir auf, dass mir bisher gar keine Zeit blieb, darüber nachzudenken. Ich finde, dass das Bürgermeisteramt ein Beruf ist, der eine große Spannbreite hat. Man ist mit Investitionen in Millionenhöhe und mit Kleinfragen wie Geburtstagsgeschenke befasst. Die Bezeichnung "harter Job" gefällt mir nicht. Das Bürgermeisteramt ist vor allem eine Aufgabe, für die man noch wesentlich mehr Zeit bräuchte. Es ist eine schöne Aufgabe. Es freut mich besonders, dass die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern im Rathaus so gut klappt. Ich habe mich noch nicht in meinen früheren Beruf zurückgewünscht. Die Anforderungen an die Persönlichkeit sind neu. Viele sehen das Stadtoberhaupt als ersten Repräsentanten einer Gemeinde. Ich werde in sehr vielen unterschiedlichen Bereichen gefordert.

 

Wollen Sie eine Prognose zum Ausgang der Landtagswahl am kommenden Sonntag abgeben

Frauenknecht: Ich tippe auf 47 Prozent für die CSU, auf 21 Prozent für die SPD, auf neun Prozent für die Freien Wähler, auf sieben Prozent für die FDP, auf acht Prozent für die Grünen und auf vier Prozent für Die Linke.

 


Von Josef Riedl

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