Dienstag, 20. Februar 2018
 

 

05.09.2008 18:57 Uhr | x gelesen
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Anton Nagel verlässt nach 40 Jahren CSU


Bild: Anton Nagel verlässt nach 40 Jahren CSU .  Hilpoltstein/Roth/Thalmässing (HK) Nach 40 Jahren CSU ist für Anton Nagel Schluss: Am Freitagmittag hat der Kreisrat und langjähriges Vorstandsmitglied seinen Austritt erklärt. Künftig wird Nagel für die Freien Wähler im Rother Kreistag sitzen.

Hilpoltstein/Roth/Thalmässing (HK) Nach 40 Jahren CSU ist für Anton Nagel Schluss: Am Freitagmittag hat der Kreisrat und langjähriges Vorstandsmitglied seinen Austritt erklärt. Künftig wird Nagel für die Freien Wähler im Rother Kreistag sitzen.


Fühlt sich in der CSU nach 40 Jahren nicht mehr Hause: Anton Nagel. - Foto: Messingschlager
"Der heutige Schritt wurde von mir lange überlegt, ich habe es mir nicht einfach gemacht und auch mit mir gerungen, diesen Schritt zu tun", sagt Nagel bei einem Gespräch mit dem Hilpoltsteiner Kurier in seinem Versicherungsbüro in Roth. Rund zwei Jahre gehe es zurück. Immer wieder habe es Signale gegeben, doch die habe der Thalmässinger einfach abgehakt. "Ich war immer hinter der Partei und dem CSU-Kreisvorsitzenden Manfred Weiß gestanden." Jahrzehntelang habe er mit der ganzen Familie für ihn Wahlkampf gemacht. "Es hat mir nicht immer alles gefallen, aber ich habe die Stange gehalten."

Doch nun klagt Nagel, dass bei der CSU nicht "mehr der Bürger, sondern ein Postengeschachere im Mittelpunkt stand". Allerdings hält er ausdrücklich fest, dass seine Entscheidung nichts mit der Wahl zum Landratsstellvertreter zu tun habe. "Wenn ich gewollt hätte, wäre ich gewählt worden." Denn Walter Schnell von den Freien Wählern und Landrat Herbert Eckstein (SPD) hätten ihm signalisiert, dass sie ihn unterstützen würden. Eine Unterstützung, die die CSU alles andere als positiv einstufte. Man habe ihm sogar sein gutes Verhältnis zum Landrat vorgehalten. "Heute weiß ich außerdem, dass Michael Kreichauf antreten sollte und sonst niemand."

Von dem Nagel im Übrigen einiges hält, immerhin hat er Kreichauf seinen Listenplatz angeboten – mit der Bitte verbunden, ihm, Nagel, trotzdem noch einen guten Platz zu geben. Platz 38 wurde es schließlich. "Die Ehefrau von Manfred Weiß hat Platz 12 bekommen", vergleicht Nagel.

Tief sitzt in dem 62-Jährigen auch der Stachel, wenn er an die Thalmässinger Bürgermeisterwahl und an CSU-Bezirksrat Ernst Schuster denkt. Kurz vor der Stichwahl hatte Nagel den Kandidaten der Thalmässinger Liste aufgesucht und ihm lediglich gesagt, dass er im Falle des Sieges auf Nagels Unterstützung zählen könne, sollte es im Kreistag um Thalmässing gehen. Er habe das öffentlich gemacht, da er nichts zu verbergen habe, sagt Nagel "Schuster hat dann gesagt, ich habe Küttinger unterstützt, das ist Rufmord."

Was Nagel auch schmerzt, ist die Tatsache, dass Weiß dazu geschwiegen hat. Wenn darüber gesprochen worden wäre und man hätte gesagt, es sei eine politische Dummheit gewesen, hätte er das akzeptiert. Aber der Kreisvorsitzende hat noch öfter geschwiegen. So hat ihm Nagel einen Brief geschrieben, der nie beantwortet wurde. "Es kommt die Zeit, wo die so genannten Parteifreunde ihn fallen lassen und er die ehrlichen Freunde, zu denen ich mich zählte, fallen gelassen hat." Zudem habe ihm Weiß gesagt, dass zuerst die Partei und dann die Freundschaft käme. Das sehe er anders, "es muss beides passen".

Seit längerer Zeit verspüre er eine Tendenz in die Richtung: "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Der Mohr kann gehen." Nagel nennt Stefan Kuchenmeister ("Zugegeben, er hat sich schlecht verkauft"), Peter Grimm ("Der war ein Anhänger von Manfred Weiß"), Karin Halbig ("Nicht mehr nominiert") und Otto Heiß. Über den habe Weiß gesagt, der habe für die CSU nichts gebracht. Auch ist laut Nagel in der CSU-Kreistagsfraktion Kritik nicht mehr möglich. Man werde sofort abgestraft. "Das geht so nicht, Kritik gehört zum Geschäft."

Es habe sehr, sehr lange gedauert, bis er sich entschieden hat, sagt Nagel. Doch nun sei er freudig entschlossen und fühle sich befreit. Zudem habe er sich mit den Freien Wählern am Mittwoch getroffen und sei droht mit großer Freude aufgenommen werden. Diese hätte ihm auch zugesichert, dass er weiter im Verwaltungsrat der Klinik einen Sitz habe.

Für die CSU hat Nagels Ausstieg noch einen Nebeneffekt, muss sich doch Manfred Weiß nach einem neuen Domizil für sein Bürgerbüro umsehen. Denn der bisherige Vermieter hat der CSU gekündigt: Er heißt nämlich Anton Nagel.

 


Von Rainer Messingschlager

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